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Platform on Sustainable Finance veröffentlicht Abschlussbericht zur Sozialtaxonomie

Der Bericht skizziert eine mögliche Ergänzung der Taxonomie-Regulierung um soziale Ziele.

 

Die am 28. Februar 2022 vorgeschlagene Struktur einer Sozialtaxonomie besteht aus drei Zielen, von denen sich jedes an eine andere Interessengruppe richtet und von weiteren Unterzielen genauer definiert wird:

1) Menschenwürdige Arbeit (einschließlich Arbeitnehmer in der Wertschöpfungskette)
Dieses Ziel konzentriert sich auf Menschen in ihrem Arbeitsleben oder als Arbeitnehmer und bezieht sich auf SGD 8. Die vier Säulen der Agenda für menschenwürdige Arbeit sind: Schaffung von Arbeitsplätzen, Sozialschutz (Schutz vor Lasten durch Arbeitslosigkeit, elterliche Pflichten, Krankheit und Gesundheitsversorgung, Invalidität, Verlust des Partners/der Partnerin oder eines Elternteils, Alter, Wohnungslosigkeit und soziale Ausgrenzung), Rechte bei der Arbeit und sozialer Dialog (Gespräche zwischen Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite). Da es sich auch auf einen gerechten Übergang ("just transition") bezieht, würde dieses Ziel auch die Schaffung von Arbeitsplätzen für bestimmte Personengruppen widerspiegeln (z. B. Personen, die durch die Schließung umweltschädlicher Industrien arbeitslos geworden sind).

2) Angemessener Lebensstandard und Wohlergehen von Endnutzern
Dieses Ziel konzentriert sich auf die Menschen in ihrer Rolle als Endnutzer bestimmter Produkte und Dienstleistungen, die entweder ein erhöhtes Gesundheits- oder Sicherheitsrisiko darstellen oder das Potenzial haben, den Menschen bei der Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse zu helfen. Dies kann als privater Konsument oder als beruflicher Nutzer sein. In den Unterzielen werden Aspekte des Verbraucherschutzes und der Verwirklichung wirtschaftlicher und sozialer Rechte wie das Recht auf Gesundheit, Nahrung, Wohnung und Bildung hervorgehoben.

3) Integrative und nachhaltige Gemeinschaften und Gesellschaft
Dieses Ziel legt den Schwerpunkt auf die Achtung und Unterstützung der Menschenrechte, indem die Auswirkungen von Aktivitäten auf Gemeinschaften und die Gesellschaft im weiteren Sinne berücksichtigt werden. Erreicht werden soll dies durch das Beheben und Vermeiden von negativen Auswirkungen und die Verfügungstellung einer grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur. Die Unterziele im Rahmen dieses Ziels konzentrieren sich auf Themen wie Landrechte, die Rechte indigener Völker, der Schutz von Menschenrechtsvertretern und die Verbesserung/Aufrechterhaltung der Zugänglichkeit und Verfügbarkeit grundlegender wirtschaftlicher Infrastrukturen und Dienstleistungen wie Strom und sauberes Wasser für bestimmte gefährdete oder bedürftige Gruppen.

Die vorgeschlagene Struktur der sozialen Taxonomie greift die strukturellen Aspekte der Umwelttaxonomie auf: (i) die Entwicklung sozialer Ziele; (ii) Substanzielle Beiträge; (iii) DNSH-Kriterien ("do no significant harm") und (iv) Mindestschutzmaßnahmen. Die Sozialtaxonomie weicht jedoch mit der Einführung von Unterzielen von der Struktur der Umwelttaxonomie ab.

Als substanzielle Beiträge werden aufgeführt:

  1. ein Beitrag, der sich auf den zusätzlichen sozialen Nutzen der Tätigkeit selbst konzentriert, wie z. B. die Erforschung und Vermarktung von Arzneimitteln
  2. Beiträge, die sich auf die Vermeidung und Bewältigung negativer Auswirkungen auf Arbeitnehmer, Verbraucher und Gemeinden konzentrieren. Dazu gehört: (i) Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, (ii) Ausbildung der Arbeitnehmer für einen gerechten Übergang, (iii) Zahlung tarifvertraglich vereinbarter Löhne und (iv) Gewährleistung eines menschenwürdigen Lebens für den Arbeitnehmer und seine Familie
  3. die Ermöglichung von Aktivitäten, die andere Aktivitäten in die Lage versetzen, soziale Leistungen zu erbringen

Als signifikant schädliche Auswirkungen werden Aktivitäten debattiert, die grundsätzlich und unter allen Umständen den sozialen Zielen zuwiderlaufen und für die es keine Möglichkeit gibt, sie weniger schädlich zu machen. Die Begründung für die Einstufung von Tätigkeiten als sozialschädlich könnte sich auf zwei Quellen stützen: a) international vereinbarte Konventionen, zum Beispiel über bestimmte Arten von Waffen, und b) Forschung, die z.B. die allgemein anerkannten gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Tabakkonsums als Grund ansieht, die Herstellung und Vermarktung von Zigaretten als besonders schädlich einzustufen.

Wie die Sorgfaltspflichten-Richtlinie zur Lieferkette und die Sozialtaxonomie konkret zusammenspielen, muss noch im Detail geklärt werden. Sicher ist, dass die Sozialtaxonomie ihre Kriterien an Aktivitäten knüpft, während die Due Diligence-Initiative sich auf Unternehmen konzentriert. Auch mit den Berichtsstandards, z.B. zu Arbeitnehmern in der Lieferkette, Beeinträchtigte Gemeinschaften und Verbrauchern und Endnutzern werden Zusammenhänge bestehen.

Der Bericht kann hier abgerufen werden.

 

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