Eine Kooperation von akzente & sustainable

Nachhaltigkeit betrifft alle

– auf unterschiedliche Weise.

Neben der CSR-Richtlinie gibt es weitere politische Entwicklungen auf Europäischer Ebene, die zu mehr Nachhaltigkeit in der (Finanz-)Wirtschaft führen sollen. Die EU-Kommission vertraut Selbstverpflichtungen nicht mehr und setzt nun auf regulative Eingriffe in wirtschaftliches Handeln. Dies sind die als „Green Deal“ bekannte Roadmap für eine nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Finance-Verordnungen und Lieferketten-Regularien.

Wir begleiten diese Prozesse und informieren Sie zeitnah, damit Sie sich an der Entwicklung auf regulativer Ebene beteiligen können und interne Prozesse so gestalten, dass aus den neuen Anforderungen Chancen werden.

Stand: 22.09.2021

EU-Regularien für eine nachhaltige Entwicklung

Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzsystem (Action Plan for Financing Sustainable Growth)

Taxonomie-Verordnung (Regulation on the establishment of a framework to facilitate sustainable investment)

Die Taxonomieverordnung definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltige Investitionen gelten dürfen und fordert von Organisationen Transparenz über die eigenen Geschäftsaktivitäten beziehungsweise angebotene „grüne“ Finanzprodukte. Für die Einordnung von Geschäftsaktivitäten und Finanzprodukten als nachhaltig werden technische Screeningkriterien definiert, die KPIs und Schwellenwerte bereitstellen. Bisher wurden Kriterien für den Bereich Klimaschutz und den Bereich Anpassung an den Klimawandel erarbeitet, Kriterien für die weiteren vier Umweltziele werden folgen.

Die durch realwirtschaftliche Unternehmen offenzulegenden Informationen werden in Artikel 8 der Taxonomie-Verordnung festgelegt, näher definiert werden sie in einem separaten delegierten Rechtsakt.

Die Erweiterung der Taxonomie um gesellschaftliche Aspekte und um zusätzliche Klassifikationsstufen wird aktuell diskutiert. Auch erste Vorüberlegungen zu den restlichen vier Umweltzielen stehen aktuell zur Diskussion.

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Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR))

Finanzmarktteilnehmer und Finanzberater müssen zukünftig ihre Strategie zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken und die Berücksichtigung von den nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren in Investitionsprozessen offenlegen, sowie aktuelle Informationen über die Nachhaltigkeit von Finanzprodukten (siehe Taxonomie) bereitstellen. Die 2019 angenommene SFDR trat ab dem 10. März 2021 in Kraft und es gelten die ersten Offenlegungspflichten zur Angabe von Nachhaltigkeitsrisiken, "Adverse Sustainability Impacts" (PAIs) und der Klassifizierung von Anlageprodukten (Level 1). Ab dem 01. Januar 2022 sollten 18 verpflichtende und 46 freiwillige Indikatoren zu den PAIs sowie eine Vertiefung der bisherigen Angaben hinzukommen (Level 2), diese wurden jetzt aber mit neuem Bezugsjahr 2022 auf den 01. Januar 2023 verschoben. Für große Finanzprodukthersteller und -anbieter ab 500 Mitarbeitern gelten noch weitere Schwellen mit höheren Anforderungen (Artikel 4, Absätze 3 & 4). Die dafür notwendigen Daten sollen den Finanzmarktunternehmen im Rahmen der CSRD- und Taxonomie-Verordnung durch die realwirtschaftlichen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.

Die die offenzulegenden Informationen näher definierenden technischen Regulierungsstandard (RTS) liegen bisher als Entwurf vor und wurden im Oktober 2021 noch einmal überarbeitet.

Weitere Informationen

Low Carbon Benchmarks-Verordnung (EU Climate Transition Benchmarks, EU Paris-aligned Benchmarks and sustainability-related disclosures for benchmarks Regulation)

Anlegern sollen Informationen über den CO2-Fußabdruck ihrer Investitionen durch Referenzwerte zur Beurteilung von nachhaltigen Investments bereitgestellt werden, die festgelegten Kriterien entsprechen. Dafür wurden zwei neue klimabezogene Benchmark-Kategorien vorgestellt. Die 'Paris-Aligned' Benchmarks (PABs) und Climate Transition Benchmarks (CTBs) unterscheiden sich dabei in der Ambition ihrer Zielsetzung. PABs sind für sehr ambitionierte klimabezogene Anlagestrategien konzipiert und zeichnen sich durch strengere Mindestanforderungen aus, während CTBs eine stärkere Diversifikation zulassen und den Bedürfnissen institutioneller Anleger bei ihrer Portfolio-Strukturierung nachkommen.

Bilanz-Richtlinie (Accounting Directive)

Nachhaltigkeitsberichterstattungs-Richtlinie (Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD))

Momentan findet eine Evaluierung der die Bilanzrichtlinie erweiternde CSR-Richtlinie (Non-Financial Reporting Directive (NFRD)) statt. Die öffentliche Konsultation ist bereits abgeschlossen, die Ergebnisse fließen in die Überarbeitung ein. Relativ sicher ist die Annäherung der Richtlinie an die TCFD-Anforderungen. Nun ist ein Vorschlag für das Update veröffentlicht worden.

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Europäische Berichtsstandards für Nachhaltigkeit (EU Sustainability Reporting Standards)

Die Europäische Kommission beauftragte die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) damit, die mögliche Einführung eines nichtfinanziellen Berichtsstandards zu prüfen. Diese sollten sich an internationale Rahmenwerke anschließen, aber als eine eigene europäische Lösung eine Vorreiterposition einnehmen. Die Verankerung in der CSRD macht die Entwicklung als delegierter Rechtsakt sehr wahrscheinlich.

Eine Arbeitsgruppe der EFRAG hat ein erstes, nichtverbindliches Arbeitsdokument zu den Klima-Standards veröffentlicht.

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Sorgfaltspflicht-Verordnung (Due Diligence Directive / Regulation)

Menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfaltspflichten (Human Rights and Environmental Due Diligence)

Unabhängig von der Überarbeitung der nichtfinanziellen Berichtspflicht kündigte der EU-Justizkommissar Didier Reynders im April 2020 eine Gesetzesinitiative über verbindliche Menschenrechts- und Umwelt-Sorgfaltspflichten für Unternehmen an. Diese sollen Haftungs- und Durchsetzungsmechanismen und Zugang zu Rechtshilfe für Opfer von unternehmerischem Missbrauch beinhalten. Die Gesetzesinitiative soll für alle Unternehmen und Finanzinstitute in den europäischen Mitgliedsstaaten gelten, KMUs jedoch abgeschwächte Pflichten erfüllen müssen. Der Erfassungsbereich soll die gesamte globale Lieferkette einschließen. Über Sanktionen wird nachgedacht, die die nationalen Aufsichtsbehörden unter EU-Koordinierung durchsetzen sollen. Ob sie final die Form einer Verordnung oder Richtlinie annehmen wird, ist noch nicht entschieden. Eine öffentliche Konsultation soll bald erfolgen. Da der Ausschuss für Normenkontrolle das geplante Gesetz als zu vage und unverhältnismäßig einstuft, wird der Gesetzesentwurf nicht wie erwartet noch vor der Sommerpause, sondern frühestens im Herbst vorgelegt werden.